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Foto von Minister Stengele.

Waldwildnis in Thüringen

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer Waldwildnis entdecken möchte, muss in Thüringen nicht weit reisen. Wälder, in denen sich Natur weitgehend ungestört entwickeln und sich Artenreichtum deshalb besonders entfalten kann, liegen bei uns vor der Haustür. Sie entstehen in einem längeren Prozess, den wir alle miterleben können - sowohl im über die Landesgrenzen hinaus bekannten Nationalpark Hainich oder in den Kernzonen der beiden UNESCO-Biosphärenreservate Thüringer Wald und Rhön.

Dort und auf weiteren, vielen noch unbekannten, Flächen entstehen Thüringens „Urwälder von morgen“. Gesunde Wälder sind enorm wichtig für den Klimaschutz - sie sind unsere grünen Lungen. Wir alle brauchen ein möglichst intaktes Ökosystem Wald - für saubere Luft, gutes Trinkwasser, für CO2-Speicherung in den Bäumen, für Erholung, für das Waldbaden.

Diese Internetseiten zeigen Ihnen, wo die Urwälder von morgen in Thüringen entstehen und was es dort heute schon zu entdecken gibt. Machen Sie sich selber auf den Weg, es lohnt sich. Durchwandern Sie unsere wunderbaren Wälder und bestaunen Sie die faszinierende Entwicklung der Waldwildnis.

Ihr Bernhard Stängele
Thüringer Minister für Umwelt,
Energie und Naturschutz

Über das Vorhaben

Wälder ohne forstliche Nutzung sind nicht nur bei uns in Thüringen äußerst wertvolle „Schatzkammern“. Hier darf sich die Natur frei und ohne den direkten Einfluss durch uns Menschen entwickeln. Thüringen verfügt als „grünes Herz Deutschlands“ über enorme Potenziale an teils schon sehr naturnahen Waldflächen, die im Rahmen der Umsetzung des NWE5-Ziels berücksichtigt wurden.

Das Entstehen und der Schutz von Wildnis jeglicher Art ist ein nachhaltiger Ansatz, uns und unseren nachfolgenden Generationen die Möglichkeit wiederzugeben, „natürliche Prozesse“ erleben zu können. Es werden neue Erfahrungs- und Erlebnisräume geschaffen, die es aktuell bei uns in dieser Form nur noch selten gibt. Als Referenzflächen zu bewirtschafteten Wäldern sind forstlich ungenutzte Wälder auch von hohem wissenschaftlichem Wert. Damit lassen sich Rückschlüsse für zukünftige Bewirtschaftungsweisen abzuleiten, welche ggf. auch zur Anpassung an den Klimawandel erforderlich sein werden. Mehr ungenutzte Wälder in Mitteleuropa sind nicht zuletzt auch eine unerlässliche Basis für mehr Glaubwürdigkeit in Fragen des weltweiten Natur- und Klimaschutzes.

Für die praktische Erreichung und langfristige Absicherung der Zielvorgaben gemäß NBS ist ein lebendiger Austausch und Dialog wichtig. Ein erforderlicher Schritt dafür ist transparente Information. Durch die Präsentation NATUR.WALD.WANDEL wollen wir einerseits über die Belange und Erfordernisse des Waldnaturschutzes informieren. Andererseits möchten wir zudem den Nutzen und langfristigen Mehrwert der forstlich ungenutzten Wälder für die Allgemeinheit aufzeigen. So soll das Verständnis und damit die Akzeptanz für die Flächen gesteigert werden, auf denen die forstliche Nutzung bereits aufgegeben wurde oder künftig aufgegeben werden soll.

Waldgrafik Vorhaben

Thüringer Wälder

Fläche: 16.200 km2

Einwohner: 2,2 Millionen

Thüringen verfügt nach Angaben der Thüringer Landesforstanstalt über insgesamt rund 550.000 ha Wald. Das entspricht rund rund 34 Prozent der Landesfläche unseres schönen Freistaats.

In Zukunft werden insgesamt etwa 120 Gebiete mit zusammen rund 26.500 ha Wald dauerhaft der forstwirtschaftlichen Nutzung entzogen.

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Streichen Sie mit Maus oder Finger über die Karte und sehen Sie auf einen Blick alle Waldflächen (grün) sowie die neuen Gebiete ohne forstwirtschaftliche Nutzung (rot).

Grafik Thüringenkarte

Hintergrund­infos

Im Allgemeinen tragen Wälder ohne forstliche Nutzung wie auch Wildnisgebiete zur Erhaltung der biologischen Vielfalt bei. Auf diesen Flächen kann die Evolution nahezu ungestört vom Einfluss durch uns Menschen ablaufen. Die Lebensgemeinschaften werden sich dort ohne lenkende Eingriffe des Menschen an den Klimawandel anpassen und es wird sich zeigen, welche Arten langfristig überlebensfähige Populationen entwickeln. Speziell in forstlich ungenutzten Wäldern entstehen mit der Alters- und Zerfallsphase zudem Waldstrukturen und Entwicklungsprozesse, die es in unseren genutzten Wäldern heute kaum mehr gibt, da die Bäume vorher geerntet werden. Davon ziehen viele Gruppen von Lebewesen einen Nutzen, denn in der Alters- und Zerfallsphase von Wäldern wird der hohe Anteil von Totholz zugleich Ursprung für neues Leben. Kurz gesagt: Bäume dürfen hier alt werden und die mit ihnen lebenden Arten, insbesondere Pilze und Käfer, freuen sich darüber.

Wussten Sie eigentlich, dass ein großer Teil unserer Wälder privaten Eigentümern gehört? Mehr als ein Drittel der Waldfläche in Thüringen ist als Privatwald in der Hand von Privatpersonen oder der Kirche (40%). Im Besitz des Freistaates Thüringen, der an die Thüringer Landesforstanstalt übertragen wurde, befinden sich ebenfalls rund 40% der Waldfläche. Der Rest ist dem Körperschaftswald (17% Wald im Eigentum von Städten und Gemeinden sowie von Körperschaften öffentlichen Rechts) zuzuordnen oder wird aktuell als Treuhandwald privatisiert (3%). Quelle: ThüringenForst – WaldZahlen, abgerufen am 23.09.2019

Bei den der forstlichen Nutzung entzogenen Flächen spielen Privat- und Kommunalwälder praktisch keine Rolle. Dabei handelt es sich zum größten Teil um Flächen des Freistaates Thüringen, des vom Bund bereitgestellten Nationalen Naturerbes und von Stiftungen.

Infografik Hintergrundinfos