NATURWALDWANDEL Logo
Bitte hier klicken, damit es weitergeht.
Foto von Ministerin Siegesmund.

Waldwildnis in Thüringen

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer an Waldwildnis denkt, der denkt in erster Linie an undurchdringliche Urwälder und Abenteuer in fernen Ländern. Gibt es bei uns in Thüringen keine Urwälder, keine Wildnis mehr zu entdecken? Doch. Auch hier entstehen wieder neue wilde Wälder. Sei es im über die Landesgrenzen hinaus bekannten Nationalpark Hainich oder in den Kernzonen der beiden UNESCO-Biosphärenreservate Thüringer Wald und Rhön. Dort und auf vielen weiteren, oft unbekannten Flächen entstehen in Thüringen unsere „Urwälder von morgen“.

Wälder ihrer eigenen Entwicklung zu überlassen, gibt uns und nachfolgenden Generationen die Möglichkeit, natürliche Prozesse und mehr Artenvielfalt zu erleben. Gesunde Wälder sind eine Antwort auf die Klimakrise – unsere grünen Lungen müssen wir schützen. Unsere Gesellschaft profitiert von dem Ökosystem Wald, besonders der Waldwildnis. Saubere Luft, gutes Trinkwasser und CO2-Speicherung für den Klimaschutz hängen mit dem Wald zusammen.

Diese Internetseiten zeigen Ihnen, wo die Urwälder von morgen in Thüringen entstehen und was es dort heute schon zu entdecken gibt. Machen Sie sich selber auf den Weg! Es lohnt sich. Durchwandern Sie unsere wunderbaren Wälder und bestaunen Sie die faszinierende Entwicklung der Waldwildnis.

Ihre Anja Siegesmund
Thüringer Ministerin für Umwelt,
Energie und Naturschutz

Über das Vorhaben

Wälder ohne forstliche Nutzung sind nicht nur bei uns in Thüringen äußerst wertvolle „Schatzkammern“. Hier darf sich die Natur frei und ohne den direkten Einfluss durch uns Menschen entwickeln. Thüringen verfügt als „grünes Herz Deutschlands“ über enorme Potenziale an teils schon sehr naturnahen Waldflächen, die im Rahmen der Umsetzung des NWE5-Ziels berücksichtigt wurden.

Das Entstehen und der Schutz von Wildnis jeglicher Art ist ein nachhaltiger Ansatz, uns und unseren nachfolgenden Generationen die Möglichkeit wiederzugeben, „natürliche Prozesse“ erleben zu können. Es werden neue Erfahrungs- und Erlebnisräume geschaffen, die es aktuell bei uns in dieser Form nur noch selten gibt. Als Referenzflächen zu bewirtschafteten Wäldern sind forstlich ungenutzte Wälder auch von hohem wissenschaftlichem Wert. Damit lassen sich Rückschlüsse für zukünftige Bewirtschaftungsweisen abzuleiten, welche ggf. auch zur Anpassung an den Klimawandel erforderlich sein werden. Mehr ungenutzte Wälder in Mitteleuropa sind nicht zuletzt auch eine unerlässliche Basis für mehr Glaubwürdigkeit in Fragen des weltweiten Natur- und Klimaschutzes.

Für die praktische Erreichung und langfristige Absicherung der Zielvorgaben gemäß NBS ist ein lebendiger Austausch und Dialog wichtig. Ein erforderlicher Schritt dafür ist transparente Information. Durch die Präsentation NATUR.WALD.WANDEL wollen wir einerseits über die Belange und Erfordernisse des Waldnaturschutzes informieren. Andererseits möchten wir zudem den Nutzen und langfristigen Mehrwert der forstlich ungenutzten Wälder für die Allgemeinheit aufzeigen. So soll das Verständnis und damit die Akzeptanz für die Flächen gesteigert werden, auf denen die forstliche Nutzung bereits aufgegeben wurde oder künftig aufgegeben werden soll.

Waldgrafik Vorhaben

Thüringer Wälder

Fläche: 16.200 km2

Einwohner: 2,2 Millionen

Thüringen verfügt über insgesamt rund 549.000 Hektar Wald. Das entspricht rund 34 Prozent der Landesfläche unseres schönen Bundeslandes. Quelle: BMEL

In Zukunft werden insgesamt etwa 120 Gebiete mit zusammen rund 26.500 ha Wald dauerhaft der forstwirtschaftlichen Nutzung entzogen.

Pfeil nach links Testen Sie es aus!
Streichen Sie mit Maus oder Finger über die Karte und sehen Sie auf einen Blick alle Waldflächen (grün) sowie die neuen Gebiete ohne forstwirtschaftliche Nutzung (rot).

Grafik Thüringenkarte

Hintergrundinfos

Im Allgemeinen tragen Wälder ohne forstliche Nutzung wie auch Wildnisgebiete zur Erhaltung der biologischen Vielfalt bei. Auf diesen Flächen kann die Evolution weitestgehend ungestört von direkten menschlichen Einflüssen ablaufen. Die Lebensgemeinschaften werden sich dort ohne lenkende Eingriffe des Menschen an den Klimawandel anpassen und es wird sich zeigen, welche Arten langfristig überlebensfähige Populationen entwickeln. Speziell in forstlich ungenutzten Wäldern entstehen mit der Alters- und Zerfallsphase zudem Waldstrukturen und Entwicklungsprozesse, die es in unseren genutzten Wäldern heute kaum mehr gibt, da die Bäume vorher geerntet werden. Davon profitieren viele Artengruppen, denn der hohe Totholzanteil in der Alters- und Zerfallsphase von Wäldern wird zugleich Ursprung für neues Leben. Kurz gesagt: Bäume dürfen hier alt werden und die mit ihnen lebenden Arten, insbesondere Pilze und Käfer, freuen sich darüber.

Wussten Sie eigentlich, dass ein großer Teil unserer Wälder privaten Eigentümern gehört? Mehr als ein Drittel der Waldfläche in Thüringen ist als Privatwald in der Hand von Privatpersonen oder der Kirche (40%). Im Besitz des Freistaates Thüringen, der an die Thüringer Landesforstanstalt übertragen wurde, befinden sich ebenfalls rund 40% der Waldfläche. Der Rest ist dem Körperschaftswald (17% Wald im Eigentum von Städten und Gemeinden sowie von Körperschaften öffentlichen Rechts) zuzuordnen oder wird aktuell als Treuhandwald privatisiert (3%). Quelle: ThüringenForst – WaldZahlen, abgerufen am 23.09.2019

Bei den der forstlichen Nutzung entzogenen Flächen spielen Privat- und Kommunalwälder praktisch keine Rolle. Dabei handelt es sich zum größten Teil um Flächen des Freistaates Thüringen, des vom Bund bereitgestellten Nationalen Naturerbes und von Stiftungen.

Infografik Hintergrundinfos